Bitter Pills For Tablets – warum PC & Laptop nie aussterben

Bitter Pills For Tablets – warum PC & Laptop nie aussterben

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Schicksalstag 27. Januar 2010

Wir schreiben den 27. Januar 2010 und die Weltöffentlichkeit blickt einmal mehr nach Kalifornien. Unter großem Mediaandrang präsentiert Apples CEO Steve Jobs die erste Generation einer neuen Art von Computern, die das Bücherlesen, Online-Shoppen und Filme-Streamen signifikant komfortabler und damit noch attraktiver für den Endanwender machen soll. Das iPad, das erste wirklich massenkompatible Tablet, steht kurz vor dem offiziellen Verkaufsstart und tritt an, den bis dato etablierten Desktop-PCs und Laptops kräftig das Fürchten zu lehren.

Experten warnen: Tablets machen süchtig

Meine ersten wirklichen Gehversuche im Tippen und Wischen machte ich im Herbst 2009 mit einem iPhone 3G. Das Handy gab es praktisch kostenlos zur Verlängerung meines Mobilfunkvertrages, und weil ich mobile Touchscreen-Telefone mit Apfel-Logo damals ziemlich schick fand (ist übrigens bis heute so), verschlief ich einfach den Trend zum Tablet am kleinen Display meines iPhones. Mein trendiges Mobiltelefon und mein Notebook genügten mir, um vollumfänglich am Leben im Netz teilhaben zu können.

Meine Begehrlichkeiten änderten sich erst einige Jahre später, als mausgraue Zeitungsverlage in ihrer verzweifelten Jagd nach neuen Lesern versuchten, hipp zu sein wie junge Unternehmen aus dem Silicon Valley, und massenhaft E-Paper-Abonnements zusammen mit der jeweils neuesten iPad-Generation verramschten. Jetzt orderte auch ich für ein paar Euro ein Apple-Tablet samt Zeitungs-Abo und verschwand in den kommenden Wochen vollends in einer rosa Wolke der Glückseligkeit.

Der iTunes-Store und Amazon verdienten in dieser Zeit prächtig an mir. Ich orderte massenhaft Videos, Apps und iPad-Zubehör. Meinen Laptop vergaß ich beinahe. Zeitweise glaubte ich sogar, nie mehr an ihm arbeiten zu müssen. Doch irgendwann verflog die Wirkung der Droge Tablet und ich erkannte, dass effektives Arbeiten am Computer eigentlich nur mit Maus (bzw. Touchpad) und Tastatur möglich ist.

Das Problem dicker Finger

a working misunderstandingDas Verhältnis zu meinem Tablet litt erstmals, als ich irgendwann eine längere E-Mail an einen Freund schreiben wollte. Die Korrektur von Wörtern und Satzbausteinen erwies sich als Geduldsprobe. Ständig markierte oder entfernte ich zu viel vom Text, ständig verrutschte irgendwas. Irgendwann verfluchte ich die schlanken Finger der Apple-Entwickler und wandte mich wieder völlig entnervt meinem guten alten Notebook zu, mit dem ich die E-Mail innerhalb weniger Minuten fertig tippte.

Es hat ganz offensichtlich einen Grund, warum sich der grundlegende Bedienungsaufbau von Computern in den letzten Jahrzehnten kaum verändert hat. Nichts ist präziser und komfortabler als die Steuerung des PCs über Maus und Tastatur.

Desktop-PC und Notebook im Nachrüst-Vorteil

Natürlich gibt es auch im Tablet-Bereich ständig neue Innovationen. Die Geräte werden immer schneller, schlanker und leichter. So ist das iPad der ersten Generation nicht nur schwerer und dicker als seine Nachfolger, es ist vor allem  leistungsschwächer und dürftiger ausgestattet. Mit Single-Core-Prozessor und mageren 256 MB Arbeitsspeicher stößt das alte Tablet schnell an seine Grenzen, was bei vielen Anwendungen zu müden Reaktionen und regelmäßigen App-Abstürzen führt. Außerdem fehlt eine Kamera, so dass Videoanruf-Dienste wie Facetime oder Skype gar nicht erst genutzt werden können.

Die wirkliche Krux am Alterungsprozess der Tablets aber ist, dass anders als beim Desktop-PC oder Notebook kaum etwas nachgerüstet werden kann. Schnittstellen und Steckplätze für leistungsfähigere Hardware fehlen oder sind knapp bemessen. Ist der Tablet-Prozessor zu langsam, der Speicher zu klein oder wird das Betriebssystem des Geräts nicht mehr mit Updates versorgt, muss der Anwender auf ein aktuelleres Gerät ausweichen oder sich mit den technischen Einschränkungen abfinden.

Nach Entziehungskur: Tablet-Absatz geht zurück

Mein iPad ist nun bald drei Jahre alt. Es läuft nach wie vor einwandrei und wird noch mindestens die nächsten anderthalb Jahre mit Software-Updates versorgt. Ich verspüre absolut kein Bedürfnis, es gegen einen seiner zugegebenermaßen schicken Nachfolger mit dem Beinamen Air einzutauschen. Obwohl das iPad extrem praktisch ist, nutze ich es im Gegensatz zu meinem schnellen und handlichen Notebook auch viel zu selten. Meist liegt mein Tablet im Standby-Modus auf dem Nachttisch.

So wie mir scheint es auch vielen anderen Menschen zu gehen. Der Absatz von Tablets ist in Europa rückläufig, während Desktop-PC und Notebook wieder Marktanteile gewinnnen. Vielleicht haben wir Europäer zu dicke Finger, vielleicht basteln wir zu gerne an unseren Rechnern herum. Sicher ist nur, dass das Tablet niemals den schon so oft als Dinosaurier verpönten PC verdrängen wird.

Bilder: © olly – Fotolia.com
Titelbild: © kolestamas – Fotolia.com

 

 

 

 

 

Stefan Koch

Stefan Koch

Stefan Koch ist Blogger und Marketer aus Leidenschaft. Der Apfel-Jünger mit großem Herz für Windows-Rechner berichtet jede Woche im Blog der ESM Computer GmbH über aktuelle Trends aus den Bereichen IT und E-Commerce und gibt Tipps, wie sich das Leben im digitalen Zeitalter noch angenehmer gestalten lässt.

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