Computer – vom Privileg zur Notwendigkeit

Computer – vom Privileg zur Notwendigkeit

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Amiga 500 – der Traum kleiner Jungen Ende der 80er

Als ich Ende der 80er Jahre eingeschult wurde, waren Computer und Internet noch gefühlte Lichtjahre davon entfernt, Normalität in deutschen Haushalten und Lehranstalten zu sein. Statt verantwortungsvoller Medienkompetenz wurde uns in der Grundschule verzweifelt das Schönschreiben eingetrichtert. Statt Powerpoint und Beamer gab es in einigen wenigen Klassenzimmern Overhead-Projektoren mit schmuddeligen, schon hundertmal benutzten Schreibfolien. Als mein bester Grundschulfreund 1989 schließlich einen Amiga 500 von Commodore zu Weihnachten geschenkt bekam, auf dem wir das erste mal pixelige Computerspiele spielen konnten, war das für uns wie ein Flug durchs Weltall auf der Kommando-Brücke der Enterprise. Obwohl der hässliche Kasten mit der unhandlichen Tastatur und dem wirklich grauenhaft auflösenden Röhrenbildschirm so vielfältig einsetzbar war wie ein Nudelholz (Ja, auch mit einem Nudelholz kann man spielen und Leute erschlagen.), vergötterte ich diesen entfernten Verwandten moderner PCs. Monatelang lag ich meiner Mutter mit dem Amiga in den Ohren. Mein Geburtstag und Weihnachten vergingen, meine Lego-Sammlung wuchs und wuchs. Aber ein Computer blieb für mich unerreichbar.

Bank, Studium, Politik – ohne Computer und Internet unmöglich

Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob für einen 9-jährigen Jungen wirklich ein Computer vonnöten ist, oder ob das Geld nicht besser in kindgerechte Literatur oder Spielzeug investiert werden sollte. Wenn ich heute aber die Selbstverständlichkeit betrachte, mit der bereits Grundschulkinder Smartphones und Notebooks besitzen, dann, so finde ich, macht die kleine Anekdote aus den späten 80er Jahren auf ziemlich plastische Art und Weise deutlich, wie grundlegend die IT im Laufe eines Vierteljahrhunderts die Denk-und Verhaltensweisen der Menschen verändert hat.

Beispiel Geldgeschäfte: Ich bin Kunde einer Direktbank und kenne außer der Firmenhomepage, dem Telefonsupport und der Anschrift wenig von dem Geldhaus, das meine Gehaltseingänge und mein Erspartes verwaltet. Eine Filiale habe ich nie betreten, meine Ansprechpartner sind  Stimmen ohne Gesicht, die ich in der Regel genauso schnell vergesse, wie ich mit ihnen gesprochen habe. Die Unpersönlichkeit ist Geschäftsmodell. Dafür kennt meine Bank aber auch keine umständlichen Überweisungsträger, keine lästigen Warteschlangen am Schalter und ist im Netz rund um die Uhr für mich geöffnet. Wäre ich nicht Kunde eines Online-Kreditinstituts und hätte keinen Computer zur Verfügung, mit dem ich meine Geldgeschäfte ganz entspannt nach Feierabend regeln kann, würde das nicht nur mein persönliches Stresslevel deutlich erhöhen sondern wegen der kurzen Öffnungszeiten auch meinen beruflichen Alltag hin und wieder gründlich durcheinander wirbeln.

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Undenkbar – studieren ohne Computer

Beispiel Ausbildung: Als ich 2003 anfing zu studieren, musste ich ziemlich schnell feststellen, dass für einige meiner Dozenten kopierte Arbeitsblätter genauso ein Relikt der Vergangenheit sind wie Telespiele für die Generation der heute unter 20-jährigen. Statt kiloweise Papier zu verteilen wurden eifrig E-Mails hin-und hergeschrieben und Links mit Benutzernamen und Passwörtern getauscht, unter denen wir Studenten die Skripte herunterladen und zuhause ausdrucken konnten. Was sich nach meinen weitgehend analogen Jahren am Gymnasium zunächst anfühlte wie Lernen im 22. Jahrhundert, wurde bald zur Selbstverständlichkeit. Tatsächlich – und das wird jeder Student bestätigen können – ist ein Hochschulbetrieb ohne Computer- und Internetzugang heute gar nicht mehr möglich.

Beispiel Politik: Egal ob Protest oder politische Diskussionen – vieles von dem, was es irgendwann in die Fernsehnachrichten schafft, hat seinen Ursprung am Computer und im Internet. Prominentes Beispiel dafür ist der „Arabische Frühling“, der nicht nur durch die Protestaufrufe im Internet überhaupt erst möglich wurde sondern auch durch die rege politische Diskussion bei Facebook und Twitter einen solchen Zulauf in der Bevölkerung fand, dass Diktaturen von Tunesien bis in den Oman wie Kartenhäuser in sich zusammenbrachen.

Natürlich findet auch hierzulande ein Großteil des politischen Dialogs im Internet statt. Das beginnt bei hitzigen Diskussionen über die Autobahnmaut und endet bei dem Mecklenburgischen Spitzenpolitiker Lorenz Caffier, der 2011 mit seinem sicher gutgemeinten Wahlkampf-Slogan „C wie Zukunft“ für jede Menge Hohn und Spott bei der Netzgemeinde sorgte.

Vom Kultobjekt C64 zum Wegwerf-Computer vom Discounter

Der legendäre C64 von Commodore ist mit rund 30 Mio. Exemplaren bis heute der am meisten verkaufte Heimcomputer der Welt. Als der Rechner 1983 in den Handel kam, kostete er stolze 1495 D-Mark (entspricht heute einem Preis von 1390 Euro) und bot neben „unglaublichen“ 64 Kilobyte Arbeitsspeicher und 16 Farben eine maximale Grafikauflösung von 320×200 Pixel (zum Vergleich: Full-HD 1920×1080). Das Preis-Leistungsverhältnis war damit aus heutiger Sicht genauso exotisch wie der Computer in den frühen 80ern bei Privatanwendern an sich.

Mehr als 30 Jahre später sind Computer günstig wie nie. Die billigsten PCs gibt es als Neuware bereits ab unter 300 Euro beim Discounter. Dementsprechend erhält der Kunde dann aber auch eine eher klapprige Produktqualität mit schlechten Reparaturmöglichkeiten. Wenn also nach Ablauf der meist zweijährigen Hersteller-Garantie etwas defekt ist, wird der Computer in den allermeisten Fällen so rigoros entsorgt wie eine leere Milchtüte.

Die 90er Jahre

Der Abstieg ins Computer-Nirvana folgte für den Amiga 500 genauso schnell wie sein Aufstieg. Daran konnten auch der modifizierte Nachfolger Amiga 500 Plus nichts ändern. Als die Produktion des grauen Brotkasten mit dem altbackenen AmigaOS 1991 bei Commodore eingestellt wurde, sprachen ohnehin längst alle von Intel-Prozessoren und vom neuen Betriebssystem Windows, das mit seiner grafischen Benutzeroberfläche auf dem allerbesten Weg war, die OS-Weltherrschaft zu übernehmen.

Obwohl heute ein toter Kalifornier mit Turnschuhen, Rollkragen-Pullover, Jeans, Designer-Brille und Vollbart als großer IT-Guru gefeiert wird, liegen meine Verehrungs-Präferenzen bis heute klar bei dem eher blassen Bill Gates, der es mit Windows und vor allem der Office-Erweiterung Word geschafft hat, meine Mutter von der Sinnhaftigkeit eines Computers zu überzeugen. Als ich 1996 schließlich das große schwere Paket mit dem Pentium-PC hinter dem Weihnachtsbaum hervorzog, war das nicht nur die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches sondern auch der Beginn einer neuen Zeit.

Bilder: © ESM Computer GmbH, © Monkey Business – Fotolia.com, © wikipedia.de
Titelbild: © acinquantadue – Fotolia.com

 

 

Stefan Koch

Stefan Koch

Stefan Koch ist Blogger und Marketer aus Leidenschaft. Der Apfel-Jünger mit großem Herz für Windows-Rechner berichtet jede Woche im Blog der ESM Computer GmbH über aktuelle Trends aus den Bereichen IT und E-Commerce und gibt Tipps, wie sich das Leben im digitalen Zeitalter noch angenehmer gestalten lässt.

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