Die neue Lust an der Reparatur

Die neue Lust an der Reparatur

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Wenn ich hin und wieder an meine Kindheit zurückdenke, ist eine meiner ersten Erinnerungen das Bild meiner Großmutter, wie sie im schummrigen Licht der Küchenlampe die löchrigen Socken meines Großvaters stopfte und dabei regelmäßig schimpfte wie ein Kesselflicker, weil sie wegen ihrer schlechten Augen kaum den Faden durch das winzige Nadelöhr bekam. Aber meine Großmutter hatte auch den zweiten Weltkrieg miterlebt, wusste was Entbehrung bedeutet und warf daher nur Dinge weg, die nun wirklich nicht mehr zu gebrauchen waren.

Von Entbehrungen spricht heute fast niemand mehr. Das Warenangebot in den Supermärkten, Modegeschäften und Elektronikmärkten ist riesig. Vieles, was früher teuer und selten war, ist mittlerweile selbstverständlich und billig. Egal ob zerschlissene Jeans, defektes Fahrrad oder kaputter Computer – was nicht mehr funktioniert oder alt aussieht, wird schneller entsorgt, als es gekauft wurde. Der Begriff „Reparatur“ ist in vielen Bereichen unseres Lebens zum Fremdwort verkommen. Doch immer mehr Menschen wehren sich gegen die Wegwerf-Kultur.

Neuer Trend: Reparatur-Cafés

Schauplatz Sprötze in der Nordheide. In dem kleinen Dorf mit seinen 2500 Einwohnern eröffnete im Mai 2014 ein Repair-Café. Menschen aller Einkommensschichten kommen dorthin, um sich während des Genusses von Kaffee und Kuchen von zehn Reparateuren Kleidung, Haushaltsgeräte und kaputte Fahrradbremsen reparieren zu lassen. Bereits am Eröffnungstag konnte von 43 Reparaturanfragen rund die Hälfte erledigt werden. Wenn etwas nicht repariert werden konnte, lag das überwiegend an fehlenden Ersatzteilen, die meist leicht zu beschaffen waren.

Die Idee zu solchen Aktionen hatte eine Niederländerin, die mittlerweile interessierte Menschen bei der Gründung eigener Cafés berät. Die Reparatur bei Kaffee und Kuchen ist zwischenzeitlich derart populär, dass es ähnliche Projekte wie die in der Nordheide auch in Köln, Duisburg oder Berlin gibt.

Gewerbe und Industrie reagieren auf den Reparatur-Trend

Doch nicht nur private Initiativen reagieren auf das Bedürfnis, kaputte Dinge reparieren zu können. Auch Gewerbe und Industrie sind mittlerweile mit entsprechenden Angeboten am Markt vertreten. Wer heute die Sohle seiner teuren handgenähten Schuhe erneuern lassen möchte, muss dafür bei einem Schuster in der Großstadt mitunter lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Nachfrage ist enorm. Auch auf Handyinstandsetzung spezialisierte Firmen schießen wie Pilze aus dem Boden. Wer die Worte „Smartphone Reparatur Deutschland“ bei Google eingibt, erhält mehr als 800.000 Suchtreffer. Viele Menschen sind es schlichtweg leid und können es sich vielfach auch finanziell gar nicht leisten, nur wegen eines zersplitterten Displays oder eines defekten Akkus gleich ein neues Mobiltelefon für mehrere hundert Euro zu kaufen.

Computer: wer billig beim Discounter kauft, kauft zweimal

Dell Notebook

Gebrauchtes Notebook vs. Billig-Laptop vom Discounter

Aber nicht nur die Instandsetzungsangebote entscheiden darüber, ob sich Kaputtes reparieren lässt. Vor allem die Qualität entscheidet über Wohl und Wehe. Wer sich beispielsweise für einen neuen Billig-Computer vom Elektromarkt oder vom Discounter entscheidet, muss daher nicht nur in kauf nehmen, dass die Verarbeitung deutlich klappriger ist als bei höherwertigen Angeboten, sondern auch, dass ein größerer Technikdefekt (z. B. defekte Grafikkarte) wegen der fehlenden Komponenten-Austauschmöglichkeiten fast immer einen Totalschaden bedeutet. Wer also beim Computer-Kauf Geld sparen möchte und dennoch Wert auf Robustheit und Langlebigkeit legt, ist wegen der deutlich solideren Business-Qualität und der deutlich reparaturfreundlicheren Technikmodule mit einem Gebraucht-PC oder -Notebook vom Fachhändler erheblich besser bedient.

Ein heißer Tipp: gute Dinge unbedingt reparieren lassen

Natürlich stopfe ich löchrige Strümpfe bis heute nicht. Ich habe vom Nähen nämlich überhaupt keine Ahnung, und schwarze Herrensocken sind im Internet fast schon pervers billig. Wenn aber mal wieder die Achselnaht eines Pullovers oder das Innenfutter eines Mantels gerissen ist, bringe ich die Sachen mittlerweile zur Reparatur zur Schneiderin. Das lohnt sich nicht nur finanziell sondern ist auch Ausdruck des Respekts gegenüber den Dingen, für die ich entweder hart arbeiten musste, oder die mir liebe Menschen geschenkt haben.

Wenn mir also ein Verkäufer das nächste Mal erklären will, dass meine Stereoanlage oder mein Computer wegen eines Bagatell-Defekts ein Totalschaden ist, werde ich ihn bestimmt, aber freundlich auf den unzeitgemäßen Service seines Geschäfts aufmerksam machen und mich schnellstmöglich im Internet nach einer anderen Reparatur- und vor allem Einkaufsmöglichkeit umschauen.

Bilder: © ESM Computer GmbH, Titelbild: © kalou1927 – Fotolia.com

Stefan Koch

Stefan Koch

Stefan Koch ist Blogger und Marketer aus Leidenschaft. Der Apfel-Jünger mit großem Herz für Windows-Rechner berichtet jede Woche im Blog der ESM Computer GmbH über aktuelle Trends aus den Bereichen IT und E-Commerce und gibt Tipps, wie sich das Leben im digitalen Zeitalter noch angenehmer gestalten lässt.

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2 Kommentare

  •    Reply

    Hi,
    ich finde, dass eine super Idee solche Cafes zu eröffnen. Für Fahrräder gibt es ja schon solche Variante. Außerdem ist die Reparatur umweltschonender. Hoffe, dass solche Cafes auch in Frankfurt öffnen.

  •    Reply

    Der Computer meines Bruders war kaputt, aber wir wussten nicht wie oder warum. Er wollte es einfach in Müll abwerfen, weil es nicht anschalten würde. Ich sagte ihn, „Einfach Reparatur lassen!“ weil er schon es gekauft hat, warum nicht es reparieren lassen?

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