Google liebt Pinguine. Sie auch?

Google liebt Pinguine. Sie auch?

penguin 3.0. google

Niedlich sind sie ja, die kleinen Racker. Mit ihrem stämmig-kompakten Körperbau, den Schwimmflossen-Flügeln und dem putzigen watscheligen Gang lösen Pinguine bei vielen Menschen Wellen der Begeisterung aus. Nicht umsonst sind Pinguine eine der Hauptattraktionen im Zoo. Das Fernsehen widmet Ihnen stundenlange Dokumentationen im Nachmittagsprogramm. Fragt man Kinder nach ihren Lieblingstieren, folgen auf Hund, Katze, Elefant ziemlich bald die possierlichen Vögel vom Südpol. Doch die Tiere sind mit Vorsicht zu genießen. Pinguine sind nicht nur gewiefte Unterwasser-Räuber, die jeder Sardine schnell den Garaus machen, sondern im Google-Zeitalter auch der natürliche Feind vieler Webseiten-Betreiber.

Politiker fordern von Google die Offenlegung der Suchformel (Suchalgorithmus).
Finden Sie das richtig?

  • Ja, die Suchergebnisse von Google müssen klar nachzuvollziehen sein. 70%, 16 Stimme(n)
  • Nein, die Suchformel soll das Geschäftsgeheimnis von Google bleiben. 22%, 5 Stimme(n)
  • Ich weiß es nicht. Ich bin unentschlossen. 9%, 2 Stimme(n)

Insgesamt abgegebene Stimmen: 23

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Penguin 3.0 – der Pinguin wird zum Pittbull

Vergangene Woche Freitag, am 17. Oktober 2014, war es einmal wieder soweit: nach über einem Jahr Pause kündigte der Suchmaschinen-Gigant Google an, ein neues großes Update seines Suchalgorithmus‘ ausfahren zu wollen. Das sogenannte Penguin-Update mit der Versionsnummer 3.0 zielt dabei vor allem auf Internet-Seiten mit unnatürlicher Linkstruktur und anderen extremen Anzeichen von Suchmaschinenoptimierung ab, die gegen die Richtlinien des US-amerikanischen Unternehmens verstoßen. Webseiten, die von Google wegen Ihrer Optimierungspraxis abgestraft werden, droht eine deutliche Ranking-Abstufung bis hin zur vollständigen Verbannung aus den Ergebnislisten der weltgrößten Suchmaschine.

Obwohl die SEO-Szene (Suchmaschinenoptimierungs-Szene) schon jetzt von sichtbaren Veränderungen in den Suchergebnissen berichtet, weiß bis dato (21.10.2014) niemand, ob das Penguin 3.0-Update bereits abgeschlossen ist. Google hält sich in dieser Frage bislang bedeckt. Eine entsprechende Pressemitteilung wurde bisher nicht herausgegeben. Erwartet wird aber, dass sich mit dem Rollout von Penguin 3.0 die Update-Intervalle des Suchalgorithmus zukünftig deutlich verkürzen werden.

1998: eine Suchmaschine revolutioniert das Internet

Google

Google – eine Suchmaschine revolutioniert das Internet

Um die Bedeutung des aktuellen Penguin-Updates zu verstehen, ist ein kleiner Exkurs in die späten 1990er Jahre nötig. Als Google am 27. September 1998 online gestellt wurde, überzeugte die neue Suchmaschine nicht nur mit einer deutlich übersichtlicheren Darstellung der Ergebnisse sondern auch mit einer bis dahin unbekannten Geschwindigkeit beim Auffinden relevanter Seiten. Der eigentliche Clou aber war (und ist) der PageRank, der Webseiten anhand der Anzahl und Qualiät eingehender Links in ihrer Relevanz bewertet. Diese Methode zum Auffinden relevanter Seiten entpuppte sich als äußerst präzise und schließlich bei den Nutzern als derart populär, dass Google die damals dominierenden Metasuchmaschinen schnell überholte und mit heute 96 Prozent Marktanteil (in Deutschland; USA: 70 Prozent) zum führenden Anbieter avancierte. Konkurrenten wie Alta Vista, Lycos oder Yahoo verschwanden in der Folge entweder ganz vom Markt, mussten den patentierten Suchalgorithmus teuer bei Google einkaufen oder ihr Geschäftsmodell völlig umstellen. Selbst der Software-Riese Microsoft konnte seinen 2009 eingeführten Suchdienst Bing nie wirklich etablieren. Trotz der engen Verzahnung mit Windows ist Bing mit einem Marktanteil von hierzulande nicht einmal 3 Prozent nahezu bedeutungslos. Wenn also Google, wie in diesen Tagen geschehen, seinen Such-Algorithmus updatet und eingehende Links auf Webseiten grundlegend neu bewertet, hat dies für das gesamte Internet mitunter dramatische Folgen.

Google diskriminiert konkurrierende Webseiten

google updates

Grafisch gut sichtbar: Google-Updates bei ladenzeile.de

Wie dramatisch die Folgen sein können, wenn der Suchmaschinen-Gigant an der Relevanz-Schraube dreht, erlebten die Betreiber von www.ladenzeile.de. Die Einkaufsplattform bietet einen Produktvergleich, dem Google Shopping in vielen Punkten sehr ähnelt. Doch mehrere Algorithmus-Anpassungen führten dazu, dass die Vergleichsangebote von ladenzeile.de bei den Google-Suchergebnissen sukzessive immer weiter nach unten rutschten. Mehrfach schon verlor das Portal von dem einen auf den anderen Tag 70 Prozent seines betriebswirtschaftlich so wichtigen organischen Search-Traffics, weil Google etwas an den Handlungsvorschriften seiner Crawler (Suchroboter) geändert hatte. Die Folge waren erhebliche Umsatzeinbußen und damit verbunden eine deutlich Zurückhaltung bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Das große Problem an Google ist die Monopolstellung mit deutlich über 90 Prozent aller Suchanfragen, die hierzulande über das Unternehmen aus dem Silicon Valley laufen. Mit dieser Marktmacht im Rücken kann der Konzern nahezu ungehindert Online-Werbepreise diktieren, unliebsame Wettbewerber vom Markt verdrängen und eigene kostenpflichtige Angebote unter dem Deckmantel der Relevanz pushen.

Dass der Internet-Konzern seine Marktmacht zu ausgiebig nutzt, davon ist auch Bundesjustizminister Heiko Maas überzeugt. In einem Interview mit der Financial Times Deutschland im September 2014 gab er deshalb zu verstehen: „Wenn eine Suchmaschine einen solchen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung hat, dann ist dies eine Angelegenheit, mit der wir uns befassen müssen.“

Man kann von dem Minister Maas halten, was man will. Aber mit seiner Aussage über Google hat er eindeutig recht.

Bilder: © ESM Computer GmbH, Titelbild: © kotomiti – Fotolia.com

Stefan Koch

Stefan Koch

Stefan Koch ist Blogger und Marketer aus Leidenschaft. Der Apfel-Jünger mit großem Herz für Windows-Rechner berichtet jede Woche im Blog der ESM Computer GmbH über aktuelle Trends aus den Bereichen IT und E-Commerce und gibt Tipps, wie sich das Leben im digitalen Zeitalter noch angenehmer gestalten lässt.

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