Mythos SSD – 9 Fragen zum beliebten Massenspeicher

Mythos SSD – 9 Fragen zum beliebten Massenspeicher

256 GB SSD

Mythos SSD – 9 Fragen zum beliebten Massenspeicher

Sie ist heutzutage in aller Munde und wird als das Allheilmittel schlechthin für alle langsamen Computer gepriesen: Die SSD-Festplatte.

Auch in unserem Artikel Highspeed für deinen PC - SSD einbauen haben wir uns ausführlich mit der Aufrüstung und Ausstattung eines Computers mit eben dieser superschnellen Festplattenvariante befasst. Allerdings bemerken wir im alltäglichen Support für unsere Kunden immer noch eine sehr große Unsicherheit bei diesem Thema. Viele Menschen wissen, dass eine SSD eine schnellere Festplatte ist, sind sich über die technischen Details aber nicht im Klaren.

Wir nehmen daher das Thema einmal genauer unter die Lupe und beantworten für euch die 10 wichtigsten Fragen rund um das Thema SSD-Festplatte.

1. Was unterscheidet eine SSD- von einer HDD-Festplatte?

Die Abkürzung SSD steht für "Solid-State-Drive". Hier werden die Daten wie bei einem USB-Stick auf speziellen Speicherchips abgelegt und nicht mehr wie bei einer konventionellen HDD-Festplatte auf rotierenden Magnetscheiben. Zum Einsatz kommen hier vorwiegend spezielle Flash-basierte Chips sowie SDRAMS ähnlich dem Arbeitsspeicher deines PCs. Dadurch, dass keinerlei bewegliche Teile mehr vorhanden sind, ist eine SSD im Gegensatz zu einer HDD deutlich unempfindlicher gegenüber Stößen und Erschütterungen, verbraucht wesentlich weniger Strom und produziert weniger Abwärme. Der größte und entscheidende Vorteil liegt aber in der wesentlich höheren Geschwindigkeit eines jeden einzelnen Lese- und Schreibvorgangs (zum Vergleich: HDD => 100 MB/Sekunde / SSD => 500 MB/Sekunde).

Allerdings gibt es auch gewisse Nachteile im Vergleich zu einer konventionellen HDD-Festplatte: So lässt sich eine SSD nicht beliebig oft beschreiben, da die Speicherchips einer gewissen physischen Abnutzung unterliegen. Kommt es zu einem Defekt einer SSD, so ist es sehr viel schwieriger, die Daten zu retten, als bei einer HDD. Und natürlich spielt auch der Preis eine Rolle: Im Vergleich zu HDDs sind SSDs deutlich teurer bzw. bieten zum selben Preis oft nur sehr wenig Speicherkapazität. HDDs kommen typischerweise also immer dann zum Einsatz, wenn große Datenmengen ihren Platz finden müssen - zum Beispiel bei umfangreichen Multimediasammlungen oder Spielen.

Pro SSD:

  • schnell
  • leise
  • stromsparend
  • robust

Contra SSD:

  • teuer
  • Datenrettung u.U. schwierig
  • Abnutzung der Speicherchips

2. Wie teuer kommt eine SSD in der Praxis?

Wie bereits erwähnt, sind SSD-Platten noch um einiges kleiner und dabei teurer, als vergleichbare HDD-Festplatten. Um eine Vergleichbarkeit der Preise zu erhalten, solltest du dir diese immer auf Euro pro Gigabyte herunterrechnen. Derzeit kostet beispielsweise das 1 Terabyte-HDD-Upgrade in unserem Onlineshop € 69,00. Dies entspricht also einem Gigabytepreis von 0,067 €. Im Vergleich dazu kostet das 256-Gigabyte-SSD-Upgrade in unserem Shop € 99,00, was wiederum einem Gigabytepreis von 0,3867 € entspricht. Eine SSD ist also aufgerundet immer noch fast 6 mal so teuer, wie eine HDD. Die Preise befinden sich zwar seit Beginn des Booms der SSD-Platten im steilen Sinkflug, in absehbarer Zeit wird eine SSD aber immer noch deutlich teurer bleiben, als "konventioneller" Festplattenspeicherplatz.

Es hat sich daher bewährt, den Computer mit beiden Festplattentechnologien gleichzeitig auszustatten. Eine schnelle - aber kleine und damit bezahlbare - SSD für die Installation des Betriebssystems, sowie eine große konventionelle HDD-Festplatte als Datenspeicher für Fotos, Musik, Videos und alles, auf das nicht permanent zugegriffen werden muss.

Legen wir die Preise unseres Onlineshops zu Grunde, so musst du mit Kosten von rund € 100,00 rechnen, wenn du in deinen PC eine 256er SSD einbauen lassen willst.

3. Wie schließe ich eine SSD an meinen Computer an?

SSDs gibt es, genauso wie HDDs, sowohl als interne, als auch als externe Ausführungen.

Externe SSDs verfügen meist über einen USB-Anschluss, während die internen SSDs üblicherweise per SATA III an dein Mainboard angeschlossen werden (siehe Bilder rechts). Hier besteht also kein nennenswerter Unterschied zu konventionellen Festplatten. Etwas exotischer ist dagegen die M.2-Steckkartenbauform, die sich - vor allem im Notebookbereich - immer mehr durchsetzt. Grund hierfür sind der geringere Platzbedarf und die höheren Datenraten, sofern die Karten die richtigen Protokolle unterstützen.

Allerdings verfügt bei Weitem noch nicht jedes Mainboard über einen M.2-Anschluss, während S-ATA mittlerweile zum normalen Standard gehört. Wenn du also mit dem Gedanken spielst, die eine M.2-SSD anzuschaffen, dann kläre unbedingt vorher ab, ob diese auch in deinen Rechner hineinpasst!

4. Was hat es mit dem "TRIM-Kommando" auf sich?

Das Kommando TRIM löst Performanceprobleme, die bei einer SSD im Laufe der Zeit gelegentlich auftreten können. Ein bereits beschriebener Block muss nämlich immer erst komplett gelöscht werden, bevor er erneut mit Daten belegt werden kann. Dies verringert die Geschwindigkeit der Platte als Ganzes,  vor allem, wenn der Vorgang nur bei Bedarf ausgeführt wird. Das TRIM-Kommando greift nun schon ein Weilchen vorher ein, und weist dein Betriebssystem an, nicht mehr benutzte Datenblöcke direkt zu löschen und sie so auf einen weiteren Schreibvorgang vorzubereiten (ab Windows 7 verfügbar).

Ab Windows 7 sollte deine SSD also automatisch als solche erkannt und das TRIM-Kommando selbstständig aktiviert werden, sofern die Platte dies unterstützt. Um dies zu überprüfen, öffnen die Kommandozeile, und tippe „fsutil behavior query disabledeletenotify“ (ohne Anführungszeichen) ein. Nach Druck auf die Entertaste erhältst du als Antwort entweder „DisableDeleteNotify=0“ (TRIM ist aktiviert), oder aber „DisableDeleteNotify=1“ (TRIM ist nicht aktiviert). Sollte das TRIM-Kommando nicht aktiviert sein, so kannst du dies in der Regel durch ein simples Treiberupdate deiner SSD beheben.

5. Was bedeuten die Kürzel IOPS, MTBF und TBW?

Wenn du dich mit fabrikneuen SSDs beschäftigst, dann wirst du über kurz oder lang mit folgenden Abkürzungen konfrontiert werden. Wir erklären dir kurz und knapp, was sie bedeuten.

Der IOPS-Wert (Input and Output Operations per Second, Eingabe- und Ausgabevorgänge pro Sekunde) gibt an, wie viele Ein-/ Ausgabeanforderungen eine SSD verarbeiten kann. Je höher dieser Wert ist, desto schneller das Laufwerk. Wenn das Laufwerk jedoch für längere Zeit in Betrieb ist, nimmt der IOPS-Wert mit steigender Anzahl der auszuführenden Operationen ab.

Der MTBF-Wert (Mean Time Between Failures, mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen) ist die voraussichtliche Laufzeit zwischen zwei Systemausfällen während des Betriebs. Sie errechnet sich aus der Summe der Betriebszeiten geteilt durch die Anzahl der beobachteten Ausfälle.

Die TBW-Angabe (Terabytes Written, geschriebene Terabyte) ist eine vom Hersteller getroffene Aussage über die zu erwartende Lebensdauer einer SSD. In Verbindung mit der Garantie lassen sich daraus die Drive Writes per Day (DWPD) berechnen, also wie oft Sie eine SSD pro Tag beschrieben können. Die Formel dazu lautet: DWPD = (TBW in TB x 1000) / (356 Tage x Garantiezeit x SSD-Kapazität in GB).

  • IOPS
    Input and Output Operations per Second
  • MTBF
    Mean Time Between Failures
  • TBW
    Terabytes Written

6. Wie kann ich die Leistung meiner SSD optimal ausnutzen?

Aktivierung von AHCI: Das Advanced Host Controller Interface kombiniert mit einem SSD-Laufwerk garantiert eine superschnelle Datenübertragung. Damit du diese auch in vollem Umfang nutzen kannst, muss zum einen der AHCI-Modus im Bios deines Rechners aktiviert sein, und außerdem die passenden Treiber für deine SSD geladen werden.

Windows 10 nimmt dir diese Arbeit ab. hier werden SSD-Laufwerke automatisch erkannt und alle erforderlichen Einstellungen im Hintergrund getroffen. Bei Windows 7 muss dagegen etwas nachgeholfen werden. Checke beim nächsten Booten deines Computers, ob der entsprechende Parameter im Bios eingetragen ist. Wenn dort die richtigen Werte gesetzt sind, solltest du beim nächsten Start deines Rechners im Gerätemanager unter dem Punkt „IDE ATA / ATAPI-Controller“ einen Verweis auf den AHCI-Controller finden. Ist dieser Eintrag nicht vorhanden, dann öffne deinen Registry-Editor und navigiere als Erstes zum Verzeichnis „HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\services\msahci“. Setze hier den Schlüssel "Start" auf den Wert "0". Anschließend machst du das selbe im Verzeichnis „HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\services\iaStorV“. Also auch hier wieder "Start" auf "0" setzen. Nach einem Neustart deines Rechners sollte der oben angesprochene Eintrag nun in deinem Gerätemanager zu finden sein.

7. Wie kann ich die Lebensdauer meiner SSD bestimmen?

Ein weit verbreitetes Vorurteil gegenüber SSDs ist, dass diese eine kürzere Lebensdauer als konventionelle HDDs haben. Tatsächlich verkürzt sich die Lebensdauer einer SSD, je mehr Schreibzyklen die Speicherchips durchlaufen müssen. Allerdings liegt die Anzahl der Zyklen bei weit über 10 000, weshalb es im Normalfall kaum möglich sein sollte, den Flashspeicher an seine Grenzen zu bekommen. Unterstützt wird dies zudem durch diverse neue Techniken, die eine Optimierung der Lese- und Schreibvorgänge auf der SSD gewährleisten, um so z.B. dafür zu sorgen, dass die Speicherzellen alle immer gleichmäßig beschrieben werden. 

8. Ist Defragmentieren auch bei einer SSD sinnvoll?

Bei Festplatten gehört das Defragmentieren zu den Basisaufgaben: Windows räumt dabei die gesamte Platte so auf, dass zusammenhängende Dateien auch auf der Platte möglichst zusammenhängend abgelegt werden. Das erhöht die Geschwindigkeit der Festplatte vor allem beim Lesen und Schreiben großer Dateien, da die Schreib-/Leseköpfe keine weiten Wege zurücklegen müssen. 

Allerdings ist dies bei SSD-Festplatten kontraproduktiv, denn wenn Windows Dateien neu sortieren würde, müsste es jedes Mal Schreibvorgänge auf der SSD durchführen. Da SSDs aber nicht beliebig viele Schreibvorgänge vertragen, würde das Defragmentieren ihre Lebensdauer verkürzen. Windows 10 schaltet daher die automatische Defragmentierung selbsttätig ab, sobald eine SSD im Rechner entdeckt wird.

Die angebotene Laufwerksoptimierung von Windows 10 kannst du dennoch getrost nutzen. Diese arbeitet bei einer SSD vor allem über den TRIM-Befehl (siehe Punkt 4), wodurch die Schreibgeschwindigkeit deiner SSD erhöht wird. Solange also Windows den eingesetzten Flashspeicher als SSD erkennt, wendet das Betriebssystem immer automatisch die passende Optimierung für diesen Speichertyp an. Hast du eine SSD eingebaut, die von Windows fälschlicherweise als HDD erkannt wird, so solltest du die Firmware der SSD so schnell wie möglich aktualisieren.

9. Wie lassen sich meine Daten von der SSD sicher löschen?

Bedingt durch die spezielle Architektur einer SSD-Festplatte, ist ein zuverlässiges Löschen und Überschreiben von Daten auf herkömmlichen Weg nicht mehr möglich. Selbst Tools, wie der SecureEraser, den wir dir in diesem Artikel hier vorgestellt haben, bringen hier keinen Erfolg. Um dennoch alle Daten dauerhaft von deiner SSD löschen zu können, legen die Hersteller ihren Produkten Toolpakete bei, die unter anderem auch eine Löschfunktion enthalten. So findet sich etwa in der Software „Samsung Magician“ die Option „Secure Erase“.

Ist deine SSD nicht mit einem solchen Tool-Paket ausgestattet, so hilft nur der direkte ATA Secure Erase. Dabei werden alle Daten unwiederbringlich von deiner SSD gelöscht. Da dieser Befehl nicht umkehrbar ist, ist hier allerdings äußerste Vorsicht geboten.

Das bekannteste Tool für diesen Zweck ist PartedMagic. Dabei handelt es sich um ein bootfähiges Live-System auf Linux-Basis, das unter anderem den bewährten Partitionierer Gparted mitbringt. Außerdem sind eine Reihe weiterer Festplattentools enthalten, etwa auch ein Befehl für ATA Secure Erase.

Kurzanleitung: PartedMagic Secure Erase

Nach dem Boot von der Live-CD präsentiert Parted Magic einen englischsprachigen Desktop mit einem Windows-ähnlichen Anwendungsmenü. Unter „System Tools -> Erase Disk“ findest du den gewünschten Befehl: „Internal: Secure Erase command writes zeroes to entire data area“, welcher für ATA Secure Erase verantwortlich ist. Im nächsten Schritt das gewünschte Laufwerk auswählen, das zurückgesetzt werden soll. Wenn du eine Meldung erhältst, dass sich die SSD im Zustand „frozen“ befindet („Unfortunately, the selcted drive's security state is set to frozen“), dann klicke zunächst auf die Schaltfläche „Sleep“, um den PC oder das Notebook in den Ruhezustand zu versetzen. Nach dem Aufwecken des Rechners startest du das Tool über „System Tools -> Erase Disk“ erneut. Viele SSDs erlauben es, ATA Secure Erase mit einem Passwort zu schützen, damit sich der Befehl nur noch nach der Eingabe des richtigen Passworts aufhalten lässt. Sollte dich Parted Magic nach einem (optionalen) Passwort dazu fragen, kannst du einfach den eingetragenen Wert „NULL“ mit einem Klick auf „OK“ übernehmen und fortfahren.

Anschließend ist nur noch eine allgemeine Bestätigung für den Löschbefehl mit „OK“ nötig. Im Hintergrund startet Parted Magic nun das Kommandozeilentool „hdparm“, um auf dem ausgewählten Laufwerk ATA Secure Erase in Gang zu setzen. Der Vorgang dauert auf SSDs nur wenige Sekunden und ein Hinweisfenster informiert dich, wenn der Befehl abgeschlossen ist. Wenn alles geklappt hat, ist die SSD nun komplett zurück gesetzt und enthält keinerlei Datenreste mehr. Da der SSD-Controller nun wieder mit einem leeren Flash-Speicher arbeiten kann, kann sich das Zurücksetzen bei einigen SSDs auch vorteilhaft auf die Schreibgeschwindigkeit auswirken.

 

 

Fotos, Titelbild: © ESM-Computer GmbH

 

Richard Dolp

Richard Dolp

Richard Dolp ist im Team der ESM Computer GmbH verantwortlich für den Vertrieb gebrauchter Hardware an Unternehmen und Geschäftskunden. Der 34-jährige ist Kundenberater aus Überzeugung und schraubt in seiner Freizeit für sein Leben gern an Computern und alten Mofas herum. Geschäftskunden erreichen Herrn Dolp von Montag bis Freitag telefonisch unter +49 8331 925 323 11 oder jederzeit per E-Mail unter richard.dolp@esm-computer.de .

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