Tipps für den Einkauf im Online-Shop – Teil 2

Tipps für den Einkauf im Online-Shop – Teil 2

Gewährleistung und Garantie

Im zweiten Teil unserer Miniserie „Tipps für den Einkauf im Online-Shop“ erklären wir Ihnen nicht nur, was es mit der Gewährleistung und der Garantie auf sich hat. Wir möchten auch von Ihnen wissen, was Ihnen beim Einkauf im Internet besonders wichtig ist.

Was ist Ihnen beim Einkauf im Online-Shop am wichtigsten? (Mehrfachantwort möglich)

  • Service/ Garantie/ Lieferung 87%, 27 Stimme(n)
  • Bezahlung per Lastschrift/ Amazon Payments/ PayPal 77%, 24 Stimme(n)
  • Übersichtlichkeit/ Benutzerfreundlichkeit 71%, 22 Stimme(n)
  • Sicherheitszertifikat im Online-Shop (z. B. Trusted Shops) 48%, 15 Stimme(n)
  • Umfangreiches Warenangebot 45%, 14 Stimme(n)
  • Bezahlung per Überweisung/ Vorkasse 29%, 9 Stimme(n)
  • Bezahlung per Kreditkarte 26%, 8 Stimme(n)

Insgesamt abgegebene Stimmen: 31

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Gewährleistung – die Garantie für Gebrauchtware

Wenn Sie schon mal einen gebrauchten Computer oder ein gebrauchtes Auto von privat gekauft haben, wissen Sie womöglich, wie ärgerlich es sein kann, wenn das teuer erstandene Notebook oder der scheckheftgepflegte Sportwagen aus zweiter Hand bereits nach kurzer Zeit ihren Dienst quittieren, und Sie keinerlei verbrieften Anspruch auf eine kostenlose Reparatur oder einen Austausch haben. Der Gesetzgeber hat nämlich klar geregelt, dass Privatverkäufer eine Gewährleistung ausdrücklich ausschließen können, insofern sie keine Kenntnis von bestehenden Mängeln vor Veräußerung der Ware hatten. Sollten Sie also dem Vorbesitzer Ihres Computers oder Autos nicht zweifelsfrei nachweisen können, dass Motherboard oder Motor schon vor dem dem Kauf defekt waren (er Sie also übers Ohr hauen wollte), werden Sie sehr wahrscheinlich auf den Kosten der Reparatur oder – schlimmer – der Entsorgung sitzen bleiben.

Was in der Theorie schon recht kompliziert und eigentlich nicht bewältigbar klingt, ist es in der Praxis erst recht. In Zeiten des einfachen und schnellen Online-Handels verdienen Anwaltskanzleien gut an Streitigkeiten zwischen Privatkäufern und -verkäufern. Damit das vermeintliche Internet-Schnäppchen aus zweiter Hand also kein Flop wird, ist es deutlich sicherer, gerade technisch komplexe und teure Dinge beim Fachhändler einzukaufen. Gewerbliche Anbieter dürfen nämlich mit Ausnahme bekannter und vor allem deutlich kommunizierter Mängel ausschließlich Gebrauchtware mit Gewährleistung an Privatkunden verkaufen.

Sollten in dieser Zeit Probleme mit der Ware auftreten, liegt es in den ersten sechs Monaten am Händler, nachzuweisen, dass nicht schon zum Verkaufszeitpunkt ein Produktfehler bestand. In der zweiten Hälfte des Gewährleistungszeitraums findet dann eine sogenannte Beweislastumkehr statt. Jetzt muss der Kunde dem Händler belegen können, dass ein Mangel nicht auf unsachgemäße Benutzung der Ware zurückzuführen ist und bereits zum Kaufzeitpunkt bestand.

Garantie ist freiwillige Leistung, Gewährleistung ist Pflicht

So wie bei Gebrauchtware funktioniert das Prinzip der Gewährleistung auch bei fabrikneuen Produkten. Auch hier ist der Händler ein halbes Jahr lang in der Pflicht, dem Kunden nachzuweisen, dass ein Mangel nicht schon zum Zeitpunkt des Kaufs bestand. Erst dann ändern sich die Bestimmungen und der Kunde muss in den folgenden 18 Monaten glaubhaft belegen können, dass nicht er durch unsachgemäße Handhabe für einen Schaden oder eine Nutzungseinschränkung verantwortlich ist.

Die Garantie ist im Gegensatz zur Gewährleistung nicht gesetzlich geregelt und ist eine freiwillige Leistung des Unternehmens, von dem die Neuware stammt. Wenn daher ein Produkt innerhalb der Garantiefrist (meist 12 bis 24 Monate) verschleißunabhängige Mängel aufweist, können Sie diese im Handel oder beim Hersteller reklamieren und auf kostenlose Nachbesserung drängen. Der Verkäufer besitzt in einem solchen Fall oft das Wahlrecht. Das heißt, er kann entweder das fehlerhafte Produkt austauschen oder den Sachmangel durch Reparatur beheben.

Garantieverlängerungen – Abzocke und Unsinn

Eine kostenpflichtige Garantieverlängerung ist im Prinzip eine gut getarnte Versicherungspolice eines großen Assekuranz-Konzerns und kostet zusätzlich bis zu 30 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises. Die Leistungsbeschreibungen sind oft kompliziert und verstecken sich als schwammige Formulierungen im Kleingedruckten, dass leider kaum ein Kunde bei Vertragsunterzeichnung im Laden gründlich liest.

So verwundert es auch nicht, dass eine juristische Prüfung der Garantie-Police eines Elektronikmarkts im Auftrag des Südwestrundfunks ergab, dass die Garantie-Verlängerung erst dann greift, wenn weder die gesetzliche Gewährleistung noch die freiwillige Herstellergarantie oder eine Hausratversicherung für ein defektes Gerät eintreten. Es wird also fast immer eine alternative Instanz geben, bei der Forderungen geltend werden müssen oder können. Die Garantieverlängerung ist aber in jedem Fall die letzte Versicherung, die überhaupt etwas zahlen muss. Der gutgläubige und auf Sicherheit bedachte Kunde ist hier wie so oft der Dumme.

Garantieverlängerungen sind vor allem für Unternehmen ein lukrativer Zusatzverdienst. Wie das Verbrauchermagazin „Marktcheck“ im Juni 2014 mit Berufung auf Insiderkreise berichtete, werden im Elektro-Einzelhandel für jede verkaufte Garantieverlängerung sogar Provisionen an die Mitarbeiter ausbezahlt. Als Motivationsanreiz für den Verkauf noch mehr sinnloser Policen gibt es für die besonders erfolgreichen Vertriebskollegen außerdem im Rahmen von Feierlichkeiten Schaumwein und Sachprämien wie  Reisen.

Was absurd klingt und sich im Fall der Firmenfeste anhört wie das obskure Ritual einer semi-okkulten Yuppie-Sekte, ist Geschäftspolitik führender Einzelhandelsunternehmen. Wenn der freundliche Kundenberater Sie also im Geschäft mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedet, tut er das womöglich nicht, weil Sie so zufrieden mit seiner Beratung waren, und er sie so nett findet. Viel wahrscheinlicher ist, dass er mit der soeben verkauften Garantieverlängerungs-Police dem Mallorca-Trip auf Firmenkosten ein ganzes Stück näher gekommen ist.

Im dritten Teil der Reihe „Tipps für den Einkauf im Online-Shop“ informieren wir Sie über  „Trusted Shops“ und andere Internet-Gütesiegel.

Bilder: © ESM Computer GmbH, Titelbild: © Karin & Uwe Annas – Fotolia.com

 

Stefan Koch

Stefan Koch

Stefan Koch ist Blogger und Marketer aus Leidenschaft. Der Apfel-Jünger mit großem Herz für Windows-Rechner berichtet jede Woche im Blog der ESM Computer GmbH über aktuelle Trends aus den Bereichen IT und E-Commerce und gibt Tipps, wie sich das Leben im digitalen Zeitalter noch angenehmer gestalten lässt.

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