Wer ist hier der wahre Discounter?

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Aldi PC im Test

Diese Woche ist es einmal wieder soweit. Aldi Süd wirbt in seinem aktuellen Prospekt mit moderner Hardware zum vermeintlich kleinen Preis. Zur Wahl stehen ein Tower-PC (Medion Akoya P5280 D) mit Intel Core i3-Prozessor der vierten Generation  und ein 23,6 Zoll großer Bildschirm mit Full HD-Auflösung (Medion Akoya P55426). Für insgesamt 618 Euro (Rechner: EUR 499,-, Monitor: EUR 119,-) erhält der Kunde ein komplettes PC-System inklusive Maus und Tastatur, das – wie die Werbung vollmundig verspricht – für viel Begeisterung innerhalb der ganzen Familie sorgen soll.

Tatsächlich klingen Ausstattungsmerkmale wie 1 Terabyte-Festplatte, USB 3.0-Anschluss, Nvidia GeForce-Grafikkarte und Full HD-Auflösung erst einmal nicht schlecht. Doch ob Aldi-Rechner und -Monitor tatsächlich ihr Geld wert sind, wollen wir heute im Blog einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Aldi-PC mit Intel Core i3-Prozessor und Nvidia-Grafikkarte

Auf der Habenseite kann der Aldi-Computer sicherlich den aktuellen Core i3-Prozessor von Intel mit einer Taktfrequenz von 3,60 GHz verbuchen. Der verfügt über zwei Kerne und sorgt im Zusammenspiel mit dem vier Gigabyte großen und aufrüstbaren Arbeitsspeicher für ordentlich Tempo bei Standardsoftware. Dennoch kann der Intel Core i3-4160 trotz der guten Alltagstausglichkeit nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei ihm um ein Einsteigermodell handelt. Wer viele rechenintensive Anwendungen auf seinem PC erledigt, sollte daher beim Computer-Kauf unbedingt einen höherwertigeren Core i5- oder Core i7-Prozessor oder einen vergleichbaren CPU von AMD in die engere Auswahl nehmen.

Die im Medion-PC verbaute Nvidia Geforce 750 TI-Grafikkarte mit 2 GB DDR 5- Videospeicher ist bereits seit Anfang 2014 im Fachhandel erhältlich. Sie ist ein Gerät der unteren Mittelklasse und ausreichend für viele 3D-Computerspiele, auch wenn sie für besonders anspruchsvolle PC-Gamer sicherlich nicht der optimale Bildermacher ist. Grafikkarten für Profi-Zocker leisten deutlich mehr.

Medion Akoya P5280 D: Durchschnittliche Ausstattung und begrenzte Aufrüstmöglichkeiten

Aldi-PC Medion Akoya P5280 DIn den Fachmedien gehen beim aktuellen Aldi-PC die Meinungen über dessen Ausstattung mitunter weit auseinander. Tatatsächlich ist längst nicht alles Gold, was unter dem Klavierlack-Gehäuse des Medion Akoya P5820 D glänzt.

WLAN, ein HDMI-Ausgang, eine USB 3.0-Schnittstelle und ein Lesegerät für Speicherkarten an Bord des Medion-PCs sind praktisch, aber im Grunde bei fabrikneuen Desktop-Computern mittlerweile schnöder Standard. Zwar lassen sich mit dem Aldi-Rechner DVDs brennen, aber keine Blue-ray Discs abspielen. Wer eine SSD nachrüsten will, kann das mit wenig Aufwand tun. Genügend Platz ist in dem Aldi-Computer vorhanden. Wer aber eine stärkere Grafikkarte einbauen möchte, hat das Nachsehen. 6- oder 8-polige PCIe-Stromstecker zum Anschluss der bildergebenden Hardware  fehlen nämlich.

Mal wieder: Ein Monitor ohne Höhenverstellung

Medion Akoya P55426 - Aldi-Monitor im TestMit dem Medion Akoya P55426 präsentiert Aldi in dieser Woche einen großen 23,6 Zoll-Monitor, der für relativ günstige EUR 119,- einiges an Ausstattung bereit hält. Full HD-Auflösung ist bei dem Gerät genauso obligatorisch wie ein HDMI- und ein DVI-Eingang. Zwei Lautsprecher sind ebenfalls an Bord. Ob der im Angebotsprospekt etwas dürftig wirkende Standfuß den Monitor ausreichend vor störenden Vibrationen schützt, wird sich zeigen müssen. Kritisch ist jedoch, dass auch dieser Endverbraucher-Bildschirm einmal mehr nicht höhenverstellbar ist und deshalb perspektivisch bei den Käufern  für Rückenschmerzen und trockene Augen sorgen wird.

Günstige Hardware: Gibt’s da nichts vom Gebrauchtfachhandel?

Wie der aktuelle Slogan „Starkes PC-System für die ganze Familie“ bereits verrät, ist der Aldi-PC aus dem aktuellen Angebot ein Generalist, der versucht, es möglichst vielen Anwendern recht zu machen. Das spiegelt sich im relativ günstigen Preis und in der Leistung des Geräts wider: Ein bisschen Highend-Grafikkarte, ein bisschen großer Datenspeicher, ein bisschen Office-PC. Hauptsache billig mit viel Ausstattung. Egal, ob man’s braucht oder nicht.

Das gleiche Prinzip gilt für den Monitor. Auch hier kauft der Kunde ein Gerät, dass zwar mit allerlei technischem Schnickschnack punktet, dessen eigentlicher Nutzen aber für Otto Normalverbraucher nur bedingt greifbar ist. Wenn Sie also das nächste Mal ein Hardware-Schnäppchen im Discounter-Prospekt entdecken, bremsen Sie Ihre Begeisterung ein wenig, und schauen Sie doch einfach mal beim wirklich preisgünstigen PC-Gebrauchtfachhandel vorbei.

Titelbild: © stockphoto-graf – Fotolia.com
Bilder: ESM Computer GmbH

Stefan Koch

Stefan Koch

Stefan Koch ist Blogger und Marketer aus Leidenschaft. Der Apfel-Jünger mit großem Herz für Windows-Rechner berichtet jede Woche im Blog der ESM Computer GmbH über aktuelle Trends aus den Bereichen IT und E-Commerce und gibt Tipps, wie sich das Leben im digitalen Zeitalter noch angenehmer gestalten lässt.

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