Zurück in die Zukunft – XXL-Smartphones

Zurück in die Zukunft – XXL-Smartphones

display smartphone phablet

Kaum ein Thema entzweit das Lager der Smartphone-Nutzer mehr als die Frage nach der richtigen Display-Größe. Während vor allem Apple bis zum Release des neuen iPhone 6 bzw. 6 Plus seinen Kunden konsequent und beinahe trotzig Touchscreen-Dimensionen zwischen 3,5 und 4 Zoll anbot, können Samsung-Fans bereits seit Anfang 2012 XXL-Smartphones mit bis zu 5,7 Zoll großen Displays kaufen.

Im Rahmen einer Blog-Umfrage möchten wir deshalb von Ihnen wissen, wie groß der Bildschirm eines Smartphones überhaupt sein darf oder sein muss, damit das Handy für Sie im täglichen Gebrauch interessant ist.

Wie groß darf oder muss ein Smartphone-Display sein?

  • Eher handlich, 3,5 bis 5 Zoll. (z. B. iPhone 5, Galaxy S4) 50%, 41 Stimme(n)
  • XXL, 5 Zoll und mehr. (z. B. Samsung Galaxy Note, iPhone 6 Plus) 38%, 31 Stimme(n)
  • Ich nutze kein Smartphone. (normale Handys bevorzugt) 12%, 10 Stimme(n)

Insgesamt abgegebene Stimmen: 82

Loading ... Loading ...

Technische Evolution in den 90ern: aus groß wird klein

Können Sie sich noch daran erinnern, wie Anfang der 90er Jahre die ersten Mobiltelefone auftauchten? Große schwarze Kästen mit abnehmbaren Telefonhöhrern und aufklappbaren Antennen waren das, die für heutige Verhältnisse so überdimensioniert wirken, dass aufmerksame Bürger heute die Polizei wegen eines Attentäters mit Kofferbombe verständigen würden, liefe jemand in der Öffentlichkeit mit einem solchen Gerät herum. Mobiltelefone waren in der Frühphase der digitalen Funknetze vom Begriff „Handy“ (also handlich) genauso weit entfernt wie Luxuskarossen von Kleinwagen, obwohl sie damals ähnlich teuer waren wie ein 10 Jahre alter Golf.

Doch das änderte sich bald. Neben der damals als modern empfundenen sichtbaren Antenne verloren Handys in den frühen 90ern nach und nach vor allem eine Menge an Gewicht und Größe. Beflügelt durch Techniktrends aus Fernost galt es schon bald als sehr schick und exklusiv, ein möglichst kleines und leichtes Handy zu besitzen. Große unhandliche Geräte waren aus der Mode und wurden zusammen mit Prepaid-Karten für ein paar Mark an Mobilfunk-Einsteiger verscherbelt.

Technische Evolution im 21. Jahrhundert: aus klein wird groß

Als Ende der 90er WAP (Wireless Application Protocol) eingeführt wurde, mit dem Anwender ab 1997 erstmals auf ihren winzigen Handy-Displays mobil durch das World Wide Web surfen konnten, rief das nicht nur dubiose Bezahldienste auf den Plan sondern ließ auch die Telefonrechnungen vieler Nutzer in nie gekannte Höhen schnellen. Datentransfer war im GSM-Netz der 90er teuer und langsam. Spötter übersetzten deshalb WAP gerne mit „Wait And Pay“. Die Übertragungstechnologie wurde zum finanziellen Misserfolg für die Telekommunikationsunternehmen.

iPhone

iPhone 2G

Richtig durchsetzen konnte sich das mobile Internet erst mit der Einführung von UMTS ab dem Jahr 2002. Der Mobilfunkstandard erlaubte nicht nur Übertragungsgeschwindigkeiten auf DSL-Niveau sondern begünstigte auch maßgeblich die Entwicklung einer neuen multifunktionalen Handygeneration, die mit der Präsentation des ersten iPhones (2G) Anfang 2007 ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Obwohl ausgerechnet das erste massenkompatible Smartphone erst ab der zweiten Generation (iPhone 3G) UMTS-Unterstützung bot und sich vorläufig mit dem langsameren EDGE-Standard begnügen musste, waren mit dem ersten kommerziell erfolgreichen Internet-Mobiltelefon aus dem Hause Apple die Weichen deutlich in Richtung „Computer mit Breitband-Anschluss im Hostentaschen-Format“ gestellt. Große Touchscreen-Displays wurden beinahe über Nacht State of the Art, kleine Handys unmodern. Nahezu jeder Hersteller von Mobiltelefonen versuchte, den Erfolg des Apple-Smartphones zu kopieren oder gar zu überflügeln. Einige (z. B. Samsung) taten das höchst erfolgreich, andere (z. B. Nokia) verschliefen den Trend, wurden verkauft oder verschwanden ganz von der Bildfläche.

Dabei wird der Konkurrenzkampf der Anbieter bis heute nicht nur über Preis und Technik sondern auch die Größe der Displays geführt. Während iPhones bis zum Jahr 2012 ausschließlich mit einem 3,5 Zoll-Touchscreen angeboten wurden, präsentierte der taiwanische Technikhersteller HTC bereits 2007 sein erstes 5 Zoll-Smartphone. Samsung folgte dieser Entwicklung 2011 mit dem Release des Galaxy Note. Heute ist es eine Selbstverständlichkeit, Smartphones mit Display-Größen jenseits der 4 Zoll anzubieten. Selbst der Trendsetter Apple kann sich nicht länger gegen den XXL-Boom bei Smartphones wehren und verkauft die neueste Generation des iPhones mittlerweile nur noch mit Display-Größen ab 4,7 Zoll.

Smartphones 2014: Praxistauglichkeit wie vor 20 Jahren

Wie die aktuelle Diskussion um die Biegsamkeit des neuen iPhone 6 Plus (#bendgate) auf eindringliche Art und Weise zeigt, sind großformatige Smartphones wesentlich instabiler als ihre Pendants im Normalformat. Die Biegsamkeit ist aber weniger ein Marken- als vielmehr ein grundsätzliches Stabilitätsdefizit von Mobiltelefonen mit übergroßen Displays. Tatsächlich sind neben Apple nämlich auch andere XXL-Smartphone-Hersteller wie Samsung oder LG von diesem Qualitätsproblem betroffen.

Und überhaupt soll ein Smartphone praktisch sein und auch noch zusammen mit dem Haustürschlüssel und einer Packung Taschentücher in die Hosentasche passen, ohne dass gleich alle Nähte reißen oder die Hose über Gebühr ausbeult. Auf die Frage, wie das ohne lästige Handtasche möglich sein soll, hat die Industrie wie vor 20 Jahren, also zur Zeit der Totschläger-Handys im Kastenformat, nämlich keine passende Antwort parat.

Alle, die demnächst ein neues Smartphone kaufen wollen, sollten sich daher gut überlegen, ob ein XXL-Smartphone tatsächlich die beste Wahl ist.

Bilder: © ESM Computer GmbH, © wikipedia.de
Titelbild: 
© JanMika – Fotolia.com

Stefan Koch

Stefan Koch

Stefan Koch ist Blogger und Marketer aus Leidenschaft. Der Apfel-Jünger mit großem Herz für Windows-Rechner berichtet jede Woche im Blog der ESM Computer GmbH über aktuelle Trends aus den Bereichen IT und E-Commerce und gibt Tipps, wie sich das Leben im digitalen Zeitalter noch angenehmer gestalten lässt.

  • Twitter
  • Facebook
  • Google+

Kommentar verfassen